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Experimentelle Archäologie - 7a setzt sich im Geschichtsunterricht mit falschen Vorstellungen über das Mittelalter auseinander

„Wenn ein Ritter in seiner Rüstung umfiel, kam er von alleine nicht wieder hoch!“ – Falsche Vorstellungsbilder über das Mittelalter prägen unsere Geschichtskultur bis heute. Besonders hart trifft es dabei die Ritter: Selbst in vielen Fach- und Schulbüchern finden sich falsche Angaben über das Rittertum, die seit Jahrzehnten durch die Literatur und erst recht durchs Internet geistern. Der Einsatz von experimenteller Archäologie kann helfen, antiquierte und falsche Vergangenheitsbilder zu entzerren: Dass es zum Beispiel ohne Probleme möglich ist, aus der Rückenlage mit einem 15kg schweren Kettenhemd wieder aufzustehen, stellte Patricia Cretu eindrucksvoll unter Beweis. Mutig zwängte sie sich in die aus etwa 30.000 Einzelringen bestehende Rüstung – und stellte überrascht fest, dass sich deren Gewicht über den ganzen Körper verteilt, sobald man sie trägt. Die Schüler stellten im Folgenden zudem fest, dass auch die Beweglichkeit des Trägers keineswegs durch das Kettenhemd eingeschränkt wird.

Kettenhemden wurden im Mittelalter von dem heute ausgestorbenen Handwerksberuf des „Sarwürkers“ produziert, einem spezialisierten Waffenschmied, der die Kettenringe in monatelanger Arbeit zu Hemden zusammenflocht. Jeder Ring war einzeln vernietet und mit mindestens vier anderen verbunden. Ein Kettenhemd war infolgedessen sehr wertvoll und gehörte zum kostbarsten Besitz eines Ritters.

Militärisch hat das Kettenhemd zwar heute ausgedient, aber als Arbeitsschutzkleidung ist die mittelalterliche Technik bis heute unübertroffen: Im Fleischerhandwerk tragen die Metzger noch heute Schürzen und Handschuhe aus Kettengeflecht, um sich vor Schnitten beim Zerlegen des Fleisches zu schützen.

Das Foto zeigt Daniel Klustreich beim „Ausprobieren“ eines 30kg schweren, spätmittelalterlichen Plattenharnischs, der im 14. Jh. das Kettenhemd verdrängte. Das Anlegen der Rüstung dauerte, unterstützt von zwei „Knappen“, gerade einmal sieben Minuten – und nicht etwa eine Stunde, wie in vielen Internet-Quellen zu lesen ist. Plattenrüstungen wurden meist auf Hochglanz poliert, so dass sie hell wie Silber blitzen. Dies war die Aufgabe des „Harnischfegers“. Der ebenfalls ausgestorbene Handwerksberuf des Harnischfegers hat als Nachnahme gerade in unserer Region überdauert und erinnert so noch immer daran, dass die Herstellung von Ritterrüstungen für die Wirtschaft im Mittelalter eine wichtige Rolle spielte.

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